top of page

„Sie sind arbeitslos? Und was machen Sie jetzt?“ – Eine Begegnung beim Arzt

  • Autorenbild: Shuying
    Shuying
  • 12. Juni 2025
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 2. Nov. 2025

Heute war ich beim Ultraschall.

Routine. Medizinisch gesehen nichts Besonderes.


Und doch – es wurde ein Gespräch, das bei mir hängen geblieben ist.



Die Radiologin war freundlich, wir kamen ins Gespräch. Small Talk.


Ich erwähnte nebenbei, dass ich momentan arbeitslos bin.

Ihr Blick veränderte sich – ein Hauch von Mitleid.

„Ach so… und was machen Sie jetzt?“, fragte sie.


Ich sagte:

„Ich bekomme erst mal Arbeitslosengeld. Aber ich nutze die Zeit bewusst. Ich will etwas finden, das mich wirklich erfüllt.“


Ein kurzer Moment der Stille.

„Was haben Sie denn gelernt?“


„VWL.“


„Ah ja, damit kann man ja alles machen…“, sagte sie – fast automatisch.


Diese Antwort hatte ich schon erwartet.

Ohne darauf einzugehen, fragte ich zurück:

„Macht Ihnen Ihre Arbeit eigentlich Spaß?“


Sie lachte kurz, trocken – offenbar überrascht von der Gegenfrage.

„Ja… doch, ich HABE Spaß an meiner Arbeit. Ja, doch...“


Dann war es still.

Ich spürte, da war mehr – aber ich wusste nicht, was ich noch sagen sollte.


Als ich ging, wünschte sie mir alles Gute.

„Denken Sie positiv, Sie finden bestimmt bald eine Arbeit“, sagte sie.


Ich nickte automatisch. Und dachte:

Ich schaffe es nicht, dieser netten Frau zu erklären,

dass es mir nicht um irgendeine Arbeit geht.


Plötzlich, beim Rausgehen, drehte sie sich noch einmal zu mir um und sagte:

„Ich wollte eigentlich nie Radiologin werden. Mein Vater hat mich damals gedrängt. Aber heute bin ich dankbar dafür.“


Ich schließe die Tür –

doch ich frage mich, wie sie sich auf der anderen Seite in diesem Moment wohl fühlt.


Fühlt sie sich wirklich glücklich?

Oder spürt sie einen leisen Stich,

weil sie gerade gemerkt hat,

dass sie den größten Teil ihres Lebens etwas gewidmet hat,

das sie ursprünglich gar nicht wollte?

Denkt sie jetzt vielleicht an das,

was sie mit 18 oder 19 eigentlich tun wollte?


Ich frage mich:

Ist sie nicht ein typisches Beispiel für viele von uns?


Wir tun, was wir gelernt haben.

Wir bleiben, wo wir reingekommen sind.

Und wir sind dankbar,

dass wir immerhin einen Platz gefunden haben –selbst wenn er nie wirklich unser war.


Macht dir das, was du tust, eigentlich Spaß?

„Ja… doch…“ oder „JA!“?




Kommentare


Nutze deine Abfindung klug und gestalte deine Zukunft selbst.

©2035 by Layla Barnies. Powered and secured by Wix

bottom of page