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Auf welcher Seite der Medaille stehst du? – Eine Reflexion über Geld und Glück

Autorenbild: Shuying
Shuying
22. Aug.
4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 25. Aug.

Heute hatte ich ein herzliches Telefonat mit einem Ex-Kollegen: Thomas.


Wir hatten diesen Termin vereinbart, weil wir uns aus reinem Interesse zu der Frage austauschen wollten: „Sind Geld und viel Zeit tatsächlich die Basis für Glück, für ein zufriedenes Leben?“


Ich habe zuerst erzählt, was ich in den fast zwei Jahren seit der Schließung der Firma(unser gemeinsamer Arbeitgeber) alles gemacht habe, wie ich meine Community zum Thema Aktien aufgebaut habe und wie ich seit Anfang dieses Jahres zusätzlich Cashflow-Spielabende organisiere.


„Interessant! Wow! Hochinteressant!“, sagt Thomas.


„Ja, Finanzielles ist wichtig. ABER, ich glaube, es gibt noch eine andere Seite der Medaille“, setzt er fort. „Es gibt ja nicht nur das materielle Leben, sondern auch die andere Seite: das Emotionale, das Weiche, das, was einen wirklich glücklich macht.“



„Wie meinst du das konkret mit dem Emotionalen?“, fragte ich.


„Naja, wenn ich zum Beispiel jetzt einen teureren Fotoapparat kaufe, bringt mir das zwar Glück, aber nur ganz kurz. Danach ist das Glücksniveau wieder unten.


Aber es ist anders, Zeit mit dem Partner, mit Freunden zusammen zu verbringen. Das ist das, was für mich wirklich Glück bringt.“


„OK, wie möchtest du denn konkret Zeit mit den Menschen verbringen, die dir wichtig sind? Was möchtest du zum Beispiel mit deiner Frau am liebsten machen?“, fragte ich.


„Na, zum Beispiel segeln. Wir waren mal mit einigen eine Woche segeln, entlang der kroatischen Küste. Das war wirklich schön. Abends noch ins Restaurant. Es macht wirklich Spaß, mit Menschen zusammen zu sein, mit denen man sich gut versteht. Da bleibt das Glücksniveau hoch, und am liebsten möchte man sich schon sofort für den nächsten Termin verabreden.“


Ich grinste leicht innerlich und fragte Thomas: „Kostet das Ganze auch Geld?“


„Ja, schon. Und zwar nicht wenig.“


„Ich verstehe, dass du echtes Glück im Leben haben willst. Nur sehe ich bei dir einen Glaubenssatz, der dir dabei im Weg steht und es verhindert. Wollen wir das jetzt gleich lösen? Der Glaubenssatz kommt aus einer Verwechslung.“


Es war plötzlich absolut still am Telefon. Ich musste kurz prüfen, ob die Verbindung noch da war.


„Ja, ich höre“, bestätigte Thomas.


„Sowohl beim Fotoapparat als auch beim Zeitverbringen mit Menschen, die einem wichtig sind, sehe ich das Element Geld.


Die Unterscheidung zwischen Fotoapparat und dem Verbringen von Zeit mit Menschen, die einem wichtig sind, ist berechtigt und wichtig. Nur liegt die Unterscheidung darin: Das eine ist Konsum, das andere ist etwas, das einem echtes und nachhaltiges Glück bringt.


Warum konsumieren wir? Nicht, weil wir einfach böse sind, sondern weil wir Dinge tun müssen, die wir eigentlich nicht wollen. Zum Beispiel früh zur Arbeit gehen, die uns innerlich nicht gefällt, was wir nur wegen des Geldes machen. Das ist anstrengend und erzeugt Stress. Wir müssen mit diesem Stress umgehen. Konsum kann diesen Stress schnell beseitigen – nur sehr kurzfristig.


Konsum ist auch deshalb ungünstig, weil dadurch der Kontostand der Person reduziert wird. Das bedeutet: Umso mehr muss sie wieder zur Arbeit gehen, was wiederum Stress verursacht – und diesen Stress versucht sie wieder kurzfristig mit Konsum zu kompensieren. Und so weiter.


Man entscheidet also, ob man sein Geld für Konsum einsetzt oder für etwas, das einen langfristig glücklich macht.


Geld ist nur ein Mittel.

Geld ist neutral.

Geld ist auf beiden Seiten. Mit anderen Worten: Geld hat keine Seiten.


„Geld ist nur ein Mittel. Ja, da hast du Recht“, antwortet Thomas. „Aber ich glaube, Geld muss nicht notwendig sein, um glücklich zu sein.“


Er fährt fort: „Überleg mal, im Zweiten Weltkrieg war man schon glücklich, wenn man morgens aufwachte und sah, dass man noch lebt. Da muss man kein Geld haben, um sich glücklich zu fühlen, oder? Es gibt ja Menschen, die in den Bergen leben und vollkommen glücklich sind.“


„Die Frage ist: Wie ist für DICH ein glückliches Leben?“, fragte ich.


„Für mich? Naja, ich bin eigentlich ganz zufrieden. Ich kann mich nicht beschweren und man kann nicht …“


Es war, als hätte jemand einen Schalter umgelegt: Thomas begann, ein Argument nach dem anderen dafür aufzuzählen, dass ein zu komplett glückliches Leben nicht möglich ist.


„Thomas!“, unterbrach ich ihn. „Ich möchte dich ermutigen: Denk darüber in Ruhe nach. Du hast jedes Recht dazu, das zu wollen, was du dir innerlich wirklich wünschst.


Die Antwort wird nicht von heute auf morgen kommen – vielleicht dauert es Wochen oder Monate und es wird auch nicht leicht sein. Mach einen Spaziergang, ganz für dich allein. Wichtig ist nur, dass die Antwort aus deinem Inneren kommt und nicht von äußeren Faktoren beeinflusst wird.“


„Also, du hast Recht“, sagt Thomas laut, wie plötzlich aus einem Traum erwacht. „Wenn ich es für mich mache … zum Beispiel, wenn einer YouTuber werden will, dann macht er es aus Ego, weil er anderen etwas zeigen möchte.“


„Auch wenn du für dich herausgefunden hast, dass du innerlich wirklich YouTube machen willst, dann ist das deins.


Wir sind seit unserer Kindheit von Erwartungen und Bewertungen anderer geprägt: von unseren Eltern, der Schule, Kollegen, Chefs. Und wir hören ständig im Kopf die Stimmen von Fremden, die sofort Kommentare zu jedem originellen Gedanken abgeben, der frisch aus uns heraus entsteht.


Nach und nach wird es für uns sehr schwierig, zu unterscheiden zwischen dem, was wir selbst wirklich wollen, und dem, was wir nur aufgrund externer Faktoren wollen.


Dafür sind Spaziergänge allein sehr hilfreich.“


„OK! Das mache ich! Eines weiß ich jetzt schon sofort: Ich möchte nicht jeden Tag immer das Gleiche erleben. Ich möchte jeden Tag etwas anderes. Abwechslung ist für mich wichtig!“


„Super!“


„Wie verbleiben wir? Was soll ich mit dem Cashflow-Spiel machen?“, fragt Thomas.


„Schreib mir gerne deine Gedanken inzwischen und lass uns in zwei bis drei Wochen wieder telefonieren. Ich markiere es in meinem Kalender. Das Cashflow-Spiel ist der Weg. Lass uns zuerst das Warum klären. Wir hören uns.“



Was nimmst du aus diesem Telefonat mit?


Hast du auch bis heute diese Verwechslung zwischen Konsum und Geld?


Ist es nicht schade, ein ganzes Leben mit dieser Verwechslung zu leben?


Nur weil ein für einen wirklich glückliches Leben wahrscheinlich auch ein Geld-Element beinhaltet, ebenso wie Konsum, lehnt man das für sich wirklich glückliche Leben ab – oder möchte sich gar nicht in Ruhe überlegen, wie das für sich wirklich glückliches Leben aussieht.


Ich weiß nicht, wer diese Verwechslung angefangen, gefördert oder verbreitet hat – mit oder ohne eigenes Interesse dahinter.


Aber ich glaube daran: Jeder Mensch ist berechtigt, für sich herauszufinden, wie sein wirklich glückliches Leben aussieht, diesem Leben entgegenzugehen und es zu leben.


Schreib deine Gedanken und neuen Erkenntnisse in die Kommentare.

 
 
 

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